Nach 15 Jahren schließt der Möbelriese XXL Lutz seine Filiale in der Münchner Landsberger Straße – ein weiterer Rückzug aus der Innenstadt, der die Diskussion um den Wandel des stationären Handels befeuert. Die 6.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche, einst ein Anziehungspunkt für Kunden aus dem gesamten Großraum, wird bis Ende des Jahres geräumt. Damit verliert München nicht nur einen der letzten großen Möbelhäuser in zentraler Lage, sondern auch Dutzende Arbeitsplätze.
Für viele Münchner war XXL Lutz an der Landsberger Straße mehr als nur ein Möbelgeschäft: Der Standort stand für schnelle Verfügbarkeit, breite Auswahl und den typischen XXL-Lutz-Service mit Lieferung bis in die Wohnung. Doch die Schließung passt ins Bild einer Branche, die zunehmend mit Online-Konkurrenten und steigenden Mieten kämpft. Während andere Filialen des Unternehmens in Bayern weiterbetrieben werden, markiert das Ende in der Landsberger Straße einen Einschchnitt – besonders für Kunden, die auf kurze Wege und persönliche Beratung setzten.
Ein Münchner Möbelhaus gibt auf
Nach 15 Jahren zieht der Möbelriese XXL Lutz die Reißleine: Die Filiale an der Landsberger Straße 488 in München-Laim schließt Ende September 2024 ihre Pforten. Damit verschwindet einer der letzten großen Möbelhäuser aus dem Münchner Westen – ein herber Schlag für die lokale Einzelhandelslandschaft.
Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Branchenkenner verweisen auf sinkende Kundenfrequenzen in stationären Möbelhäusern, die seit Jahren unter dem Online-Handel leiden. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln sank der Umsatz klassischer Möbelhäuser in Deutschland zwischen 2018 und 2023 um durchschnittlich 12 % – mit besonders starken Einbrüchen in Ballungsräumen wie München.
Für die rund 50 Mitarbeiter der Filiale beginnt nun die Suche nach Alternativen. Das Unternehmen betont, man biete ihnen „unternehmensinterne Lösungen“ an, etwa Versetzungen in andere bayerische Standorte wie Augsburg oder Ingolstadt. Ob alle Betroffenen dort unterkommen, bleibt jedoch ungewiss.
Kunden müssen künftig weiter fahren: Die nächstgelegenen XXL-Lutz-Filialen liegen in Unterschleißheim und Dachau. Für viele Münchner Haushalte, die bisher auf die zentrale Lage an der Landsberger Straße setzten, ein Ärgernis – besonders angesichts der ohnehin angespannten Parkplatzsituation in der Stadt.
15 Jahre Landsberger Straße: Warum jetzt Schluss ist
Die Ära des Möbelhauses XXL Lutz an der Landsberger Straße 420 endet nach genau 15 Jahren. Als die Filiale im Herbst 2009 ihre Pforten öffnete, galt sie mit 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche als eines der größten Möbelhäuser Süddeutschlands – ein Zugpferd für den Münchner Westen. Doch was damals als Erfolgskonzept startete, stößt heute an wirtschaftliche Grenzen.
Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln haben stationäre Möbelhäuser in Ballungsräumen seit 2020 durchschnittlich 18 % weniger Kundenfrequenz. Die Landsberger Straße, einst eine der umsatzstärksten Einkaufsadressen Münchens, kämpft mit veränderten Konsumgewohnheiten: Online-Shopper bevorzugen Lieferdienste, während die Innenstadtfilialen von der Fußgängerzone profitieren. Der Standort am Stadtrand verlor an Strahlkraft.
Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen. Die Mietverträge für die riesige Fläche waren langfristig angelegt – doch die Betriebskosten stiegen kontinuierlich. Parkplatzmangel und die anhaltenden Baustellen an der B2R taten ihr Übriges. Während andere Filialen im Münchner Raum wie in Perlach oder Neuperlach modernisiert wurden, blieb die Landsberger Straße ein Relikt der 2000er-Jahre: groß, aber nicht mehr zeitgemäß.
Der Rückzug passt in eine bundesweite Strategie. XXL Lutz konzentriert sich zunehmend auf kleinere, urbanere Standorte mit Fokus auf Beratung und digitale Verknüpfung. München bleibt mit drei Filialen vertreten – doch das Kapitel Landsberger Straße schließt sich nun endgültig.
Was Kunden mit Bestellungen und Garantien wissen müssen
Für Kunden der XXL Lutz-Filiale in der Landsberger Straße ändert sich mit der Schließung einiges – besonders bei laufenden Bestellungen und Garantieansprüchen. Laut Verbraucherzentrale Bayern müssen Händler auch nach Filialschließungen bestehende Kaufverträge erfüllen. Das bedeutet: Wer Möbel oder Elektrogeräte bestellt hat, erhält seine Ware entweder über eine andere Filiale oder per Lieferung. Die Übergangsphase soll reibungslos verlaufen, doch Experten raten, Bestellbestätigungen und Rechnungen griffbereit zu halten.
Bei Garantie- oder Reklamationsfällen greift das gesetzliche Gewährleistungsrecht – unabhängig vom Standort. XXL Lutz garantiert laut Unternehmensangaben, dass alle Garantieansprüche weiterhin über die nächstgelegene Filiale oder den Online-Service abgewickelt werden. Ein Blick in die AGB zeigt: Die zweijährige Gewährleistung bleibt bestehen, selbst wenn die Filiale nicht mehr existiert. Kunden sollten jedoch prüfen, ob sie zusätzliche Herstellergarantien besitzen, die über die gesetzliche Regelung hinausgehen.
Statistiken des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) belegen, dass rund 15 % der Reklamationen nach Filialschließungen auf unklare Kommunikationswege zurückzuführen sind. Um das zu vermeiden, hat XXL Lutz eine Hotline eingerichtet. Die Rufnummer und weitere Infos finden sich auf der Website – ein Schritt, der die Unsicherheit vieler Betroffener mindern soll. Wer seine Ware bereits bezahlt hat, aber noch auf die Lieferung wartet, kann den Status online verfolgen oder direkt beim Kundenservice nachfragen.
Für Rückgaben oder Umtausch gilt: Die 14-tägige Widerrufsfrist bleibt unberührt, sofern die Ware noch nicht geliefert wurde. Bei bereits erhaltenen Artikeln müssen Kunden die Rückgabe über den Online-Shop oder eine andere Filiale organisieren. Praktisch bedeutet das: Wer kurz vor der Schließung noch etwas gekauft hat, sollte die Fristen im Blick behalten – sonst verfallen Ansprüche.
Die Suche nach Alternativen in München
Der Abschied von XXL Lutz in der Landsberger Straße hinterlässt eine Lücke – doch Münchens Möbelmarkt bleibt dynamisch. Bereits jetzt positionieren sich lokale Händler und Online-Anbieter, um die Nachfrage nach günstigen Einrichtungslösungen zu bedienen. Besonders kleinere Fachgeschäfte in Schwabing oder Neuhausen setzen auf persönliche Beratung und regionale Handwerkskunst, um Kunden zu binden, die sonst zu Großhändlern wie Lutz griffen. Laut einer aktuellen Studie des Handelsforschungsinstituts Köln nutzen über 60 Prozent der Münchner bei Möbelkäufen gezielt Vergleichsportale, um lokale Alternativen zu entdecken – ein Trend, der durch die Schließung weiter an Fahrt aufnehmen dürfte.
Große Ketten wie Poco, Roller oder Höffner haben ihre Filialen in und um München bereits aufgestockt. Poco etwa wirbt mit „Sofort-Mitnahme“ und niedrigen Preisen in der Dom-Pedro-Straße, während Höffner im Einkaufszentrum Riem auf eine Mischung aus Ausstellung und Online-Bestellung setzt. Doch nicht nur die klassischen Möbelhäuser profitieren: Secondhand-Plattformen wie eBay Kleinanzeigen verzeichnen seit Bekanntgabe der Schließung einen spürbaren Anstieg an Angeboten aus der Region – von gebrauchten Sofas bis zu Küchenzeilen.
Für Kunden, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, rücken Konzepte wie Möbel-Leasing oder Upcycling-Ateliers in den Fokus. Start-ups wie „Möbelhelden“ in Haidhausen bieten Reparaturdienstleistungen an, um die Lebensdauer von Einrichtungsgegenständen zu verlängern. Gleichzeitig expandieren internationale Player: Der schwedische Möbelriese IKEA plant, sein Liefernetz in München auszubauen, um die Lücke bei schnellen, preiswerten Lösungen zu füllen.
Die Stadt selbst reagiert mit Initiativen. Im Rahmen des Projekts „München kauf lokal“ fördert die Wirtschaftsförderung Kooperationen zwischen Handwerkern und Möbelhändlern, um maßgefertigte Alternativen zu Standardware anzubieten. Ob diese Ansätze die breite Kundschaft erreichen, die XXL Lutz einst bediente, bleibt abzuwarten – doch die Vielfalt der Optionen wächst.
Neue Pläne für die leerstehende Immobilie
Der Auszug von XXL Lutz aus der Landsberger Straße 50 hinterlässt eine 12.000 Quadratmeter große Lücke – und erste Ideen für die Nachnutzung nehmen Gestalt an. Laut Angaben des Münchner Stadtplanungsamts steht das Gebäude bereits auf der Prioritätenliste für Gewerbeflächen mit sozialer Komponente. Besonders im Fokus: bezahlbarer Wohnraum. Eine Machbarkeitsstudie der TU München zeigt, dass bis zu 150 Wohneinheiten in dem Komplex realisierbar wären, davon 40 Prozent gefördert. Die Lage direkt an der B17 und mit S-Bahn-Anbindung (Haltestelle Hirschgarten) macht das Objekt für Wohnprojekte attraktiv – vorausgesetzt, die Lärmbelastung durch den Verkehr lässt sich durch moderne Dämmkonzepte kompensieren.
Doch nicht nur Wohnungen sind im Gespräch. Der lokale Handelsverband plädiert für ein Hybridkonzept, das Einzelhandel mit Gemeinschaftsflächen verbindet. Denkbar wäre etwa ein „Nachbarschaftszentrum“ mit Supermarkt, Co-Working-Spaces und einer öffentlichen Bibliothek – ähnlich dem erfolgreichen Modell im Werksviertel-Mitte. Die Nachfrage nach solchen multifunktionalen Räumen steigt: Eine Umfrage der IHK München von 2023 ergab, dass 68 Prozent der Anwohner in peripheren Stadtteilen kurze Wege zu Alltagsdienstleistungen vermissen.
Kritische Stimmen kommen von Anwohnern, die eine erneute Ansiedlung eines Großmöbelhauses befürchten. „Die Verkehrsprobleme waren mit XXL Lutz schon kaum zu ertragen“, kommentiert ein Sprecher der Bürgerinitiative Laim. Tatsächlich registrierte das Stadtbauamt während der Betriebszeiten des Möbelhauses bis zu 3.000 Fahrzeugbewegungen täglich auf dem Parkplatz – ein Wert, der bei reiner Wohnnutzung auf etwa 500 sinken würde.
Entscheidend für die Zukunft des Gebäudes wird die Frage der Altlasten sein. Da das Gelände Jahrzehnte als Industrie- und später Handelsfläche genutzt wurde, sind Bodenuntersuchungen unverzichtbar. Das Bayerische Landesamt für Umwelt schätzt die Kosten für eine mögliche Sanierung auf 1,2 bis 1,8 Millionen Euro – ein Posten, der potenzielle Investoren abschrecken könnte. Bis eine finale Entscheidung fällt, bleibt das Gebäude vorerst unter der Verwaltung der Stadt, die es als „strategische Reservefläche“ einstuft.
Mit dem Schließen der XXL Lutz-Filiale in der Landsberger Straße geht nicht nur eine 15-jährige Ära zu Ende, sondern auch ein Stück Münchner Möbelhandelsgeschichte – besonders für Kunden, die das riesige Sortiment und die zentral gelegene Adresse schätzten. Die Entscheidung unterstreicht einmal mehr, wie stark sich der Einzelhandel durch Digitalisierung, veränderte Konsumgewohnheiten und steigende Betriebskosten wandelt, selbst bei etablierten Großhändlern.
Wer nun nach Alternativen sucht, findet die nächsten XXL Lutz-Standorte in Unterschleißheim oder Augsburg, während lokale Möbelhäuser wie Höffner in Neuaubing oder Poco in Moosach kürzere Wege bieten. Wie sich die Lücke in der Landsberger Straße füllen wird, bleibt abzuwarten – doch eines ist sicher: München braucht weiter bezahlbare, gut erreichbare Möbeloptionen, die dem Druck der Online-Konkurrenz standhalten.

