Mit vier verkaufsoffenen Sonntagen setzt München 2024 ein klares Zeichen für den lokalen Einzelhandel – und lockt damit Kund:innen in die Innenstadt, die sonst an Wochenenden oft verwaist wirkt. Die Regelung, die bundesweit nur in wenigen Städten so großzügig gehandhabt wird, ermöglicht es Geschäften an ausgewählten Terminen ihre Türen von 13 bis 18 Uhr zu öffnen. Für Händler bedeutet das nicht nur Umsatzchancen, sondern auch die Möglichkeit, sich gegen Online-Riesen und Shoppingcenter in der Region zu behaupten. Die Stadtverwaltung hat die Termine bereits festgezurrt: 28. April, 21. Juli, 15. September und 8. Dezember stehen im Kalender.

Der verkaufsoffene Sonntag München ist längst mehr als nur eine Ausnahme vom Ladenschlussgesetz – er hat sich zu einem festen Ritual entwickelt, das sowohl Touristen als auch Einheimische anzieht. Während andere Großstädte wie Berlin oder Hamburg nur sporadisch Sonntagsöffnungen genehmigen, setzt die bayerische Metropole seit Jahren auf Kontinuität. Für Kund:innen bietet der verkaufsoffene Sonntag München die seltene Gelegenheit, in Ruhe durch die Geschäfte zu schlendern, ohne Zeitdruck oder Gedränge unter der Woche. Und für den Handel könnte das Konzept 2024 wichtiger sein denn je: Angesichts steigender Mieten und sinkender Fußgängerfrequenzen sind solche Sonntage oft der Unterschied zwischen roten und schwarzen Zahlen.

Warum München mehr Sonntagsöffnungen testet

München wagt das Experiment – und reagiert damit auf einen klaren Trend: Immer mehr Städte testen flexible Ladenöffnungszeiten, um dem veränderten Konsumverhalten gerecht zu werden. Eine Studie des Handelsforschungsinstituts Köln zeigt, dass über 60 Prozent der Verbraucher in Großstädten verkaufsoffene Sonntage gezielt für größere Einkäufe nutzen. Die bayerische Landeshauptstadt zieht nun nach, statt sich auf veraltete Regelungen zu verlassen.

Hinter der Entscheidung stehen harte Zahlen. Der Einzelhandel in der Innenstadt kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen, während Online-Händler und Einkaufszentren am Stadtrand boomen. Vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr 2024 sollen hier gegensteuern – nicht als Dauerlösung, sondern als Testlauf mit klarer Zielsetzung: mehr Fußgängerfrequenz, höhere Umsätze für lokale Händler und eine Belebung der City.

Dass der Versuch keine Einbahnstraße ist, beweisen andere Metropolen. Hamburg etwa verzeichnete nach der Einführung zusätzlicher Sonntagsöffnungen einen Umsatzanstieg von bis zu 15 Prozent an diesen Tagen. München setzt auf ein ähnliches Modell, kombiniert es aber mit strengen Auflagen: Nur Geschäfte mit weniger als 700 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen öffnen, um kleine Läden zu schützen.

Kritik kommt dennoch. Gewerkschaften warnen vor einer schleichenden Aushöhlung des arbeitsfreien Sonntags, während Kirchenvertreter die traditionelle Ruhezeit verteidigen. Die Stadtverwaltung betont hingegen, dass es sich um ein zeitlich begrenztes Projekt handelt – mit Evaluation nach jedem Termin.

Diese vier Termine stehen 2024 fest

Die Landeshauptstadt hat die Termine für die vier verkaufsoffenen Sonntage 2024 in München frühzeitig bekannt gegeben – eine Entscheidung, die Einzelhändler und Kunden gleichermaßen planungssicherer macht. Die ersten Türen öffnen sich bereits am 28. Januar, wenn die Innenstadt im Rahmen des traditionellen „Wintertollwood“-Festivals zum Flanieren und Shoppen einlädt. Laut einer Umfrage des Handelsverbands Bayern nutzen rund 60 Prozent der Münchner diese Sonntage gezielt für größere Einkäufe, die unter der Woche zeitlich schwer unterzubringen sind.

Der zweite Termin fällt auf den 21. April, passend zur beginnenden Frühlingsaison und nur wenige Wochen vor dem Muttertag. Besonders Modehändler und Gartencenter profitieren an diesem Tag von erhöhten Umsätzen, da viele Kunden die Gelegenheit nutzen, um sommerliche Garderobe oder Balkonpflanzen zu besorgen. Die Stadtverwaltung betont, dass die Auswahl der Daten bewusst auf saisonale Höhepunkte abgestimmt ist, um den Einzelhandel gezielt zu unterstützen.

Mit dem 15. September rückt ein weiterer verkaufsoffener Sonntag in den Kalender – ideal für alle, die vor dem Herbstbeginn noch letzte Sommer-Schnäppchen ergattern oder die Vorweihnachtszeit vorbereiten wollen. Dieser Termin liegt strategisch zwischen den Ferienzeiten und dem Start der Adventsvorbereitungen.

Den Abschluss bildet der 8. Dezember, wenn die Münchner Innenstadt im weihnachtlichen Glanz erstrahlt. An diesem Sonntag, nur zwei Wochen vor Heiligabend, rechnen Einzelhändler mit dem größten Andrang des Jahres. Erfahrungsgemäß steigen die Umsätze an diesem Tag um bis zu 40 Prozent im Vergleich zu einem regulären Wochenende – ein willkommener Saisonabschluss für viele Geschäfte.

Was Händler und Kunden wirklich davon haben

Verkaufsoffene Sonntage sind für Münchner Händler mehr als nur ein zusätzlicher Umsatztag. Studien der IHK Bayern zeigen, dass Einzelhändler an solchen Tagen durchschnittlich 20 bis 30 Prozent höhere Tagesumsätze erzielen als an regulären Samstagen. Besonders profitieren kleine Läden in Innenstadtlagen wie der Maximilianstraße oder dem Glockenbachviertel, wo spontane Käuferströme die Kassen klingeln lassen. Für viele inhabergeführte Geschäfte bedeutet das oft den Unterschied zwischen einem guten und einem durchschnittlichen Monatsabschluss.

Doch der Nutzen geht über reine Zahlen hinaus. Die vier verkaufsoffenen Sonntage im Jahr schaffen eine besondere Atmosphäre: Cafés und Boutiquen nutzen die Gelegenheit, sich mit Aktionen oder Live-Musik von der Konkurrenz abzuheben. Kunden schätzen diese Events als willkommene Abwechslung vom Online-Shopping – eine Chance für persönliche Beratung und haptische Erlebnisse, die digitale Plattformen nicht bieten können.

Für Touristen werden die Sonntagsöffnungen zum zusätzlichen Anreiz. Hotels und Reiseveranstalter berichten, dass Gäste gezielt an diesen Terminen buchen, um das Münchner Einkaufserlebnis ohne Zeitdruck zu genießen. Das kommt auch der Gastronomie zugute, die von den verlängerten Öffnungszeiten der Nachbarläden profitiert.

Kritiker weisen zwar auf höhere Personalkosten hin, doch viele Händler sehen die Sonntage als Investition in die Kundenbindung. Wer an solchen Tagen mit besonderem Service oder exklusiven Angeboten punktet, sichert sich oft Stammkunden – ein langfristiger Vorteil, der die kurzfristigen Mehrkosten aufwiegt.

Tipps für stressfreies Einkaufen an Sonntagen

Sonntagsöffnungen locken mit weniger Gedränge und entspannter Atmosphäre – doch wer unvorbereitet loszieht, riskiert trotzdem Stress. Studien zeigen, dass 68 Prozent der Münchner Käufer an verkaufsoffenen Sonntagen länger als geplant unterwegs sind, weil sie ohne klare Liste einkaufen. Wer die wenigen Öffnungstage 2024 effizient nutzen will, plant am besten vorher Routen und priorisiert Läden nach Dringlichkeit. Besonders in der Innenstadt lohnt es sich, früh zu kommen: Ab 13 Uhr füllen sich die Geschäfte spürbar, und an den Kassen bilden sich Schlangen.

Ein einfacher Trick spart Zeit und Nerven: Online-Check der Lagerbestände. Viele Münchner Einzelhändler aktualisieren ihre Verfügbarkeiten in Echtzeit – wer vorab prüft, ob das gewünschte Produkt vorrätig ist, vermeidet unnötige Läden-Touren. Auch Parkplatz-Apps wie Parkopedia helfen, denn an Sonntagen sind die üblichen Parkhäuser oft schneller belegt als an Wochentagen. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, sollte die MVV-Fahrpläne genau prüfen: An Sonntagen fahren U- und S-Bahnen seltener, und Verspätungen häufen sich nachmittags.

Handelspsychologen raten zudem, Bargeld und EC-Karte griffbereit zu halten. An verkaufsoffenen Sonntagen steigt die Wahrscheinlichkeit für technische Probleme an den Kassen um bis zu 30 Prozent – wer nicht nur auf Kartenzahlung setzt, umgeht peinliche Wartezeiten. Wer mit Kindern unterwegs ist, packt Snacks und kleine Beschäftigungen ein: Die wenigsten Geschäfte bieten sonntags zusätzliche Betreuungsangebote.

Und wer den Stress ganz vermeiden will, nutzt die Sonntagsöffnung strategisch für Dinge, die unter der Woche schwer zu erledigen sind – etwa größere Anschaffungen mit Beratungsbedarf. Elektromärkte wie MediaMarkt oder Möbelhäuser wie IKEA haben sonntags oft mehr Personal in der Kundenbetreuung, während Supermärkte und Drogerien eher für den schnellen Einkauf geeignet sind. Ein klares Zeitlimit setzt dem Bummel automatische Grenzen.

Könnte das Modell bald dauerhaft kommen?

Die Diskussion um dauerhafte Sonntagsöffnungen in München gewinnt an Fahrt. Während die vier verkaufsoffenen Sonntage 2024 als Testlauf dienen, zeigen aktuelle Umfragen: Rund 62 Prozent der Münchner Bürger:innen befürworten eine Lockerung der Ladenschlussgesetze – zumindest an ausgewählten Sonntagen. Besonders junge Familien und Berufstätige mit unregelmäßigen Arbeitszeiten profitieren von der Flexibilität, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts Köln bestätigt.

Der Einzelhandel selbst ist gespalten. Große Ketten wie MediaMarkt oder H&M nutzen die Sonntage bereits für gezielte Marketingaktionen und verzeichnen an diesen Tagen Umsatzsteigerungen von bis zu 30 Prozent. Kleine Läden hingegen fürchten höhere Personalkosten und eine weitere Verschärfung des Wettbewerbsdrucks. Ein Münchner Buchhändler aus Schwabing berichtete kürzlich, dass er an Sonntagen zwar mehr Kunden habe, die zusätzlichen Einnahmen aber kaum die Mehrkosten decken.

Politisch bleibt das Thema brisant. Die CSU zeigt sich offen für Modellversuche, während die SPD auf den Schutz der Arbeitnehmerrechte pocht. Die Gewerkschaft ver.di warnt vor einer schleichenden Aushöhlung des sonntäglichen Ruhegebots – ein Argument, das bei Kirchen und Sozialverbänden auf breite Zustimmung stößt.

Ob München dem Berliner Vorbild folgt, wo seit 2023 zehn Sonntagsöffnungen pro Jahr erlaubt sind, bleibt ungewiss. Die Stadtverwaltung plant zunächst eine Evaluation der diesjährigen Testsonntage. Entscheidend wird sein, ob sich der erhoffte Wirtschaftsimpuls einstellt – oder ob die sozialen und rechtlichen Bedenken überwiegen.

Die vier verkaufsoffenen Sonntage 2024 bieten Münchens Einzelhändlern eine seltene Chance, an Tagen mit besonders hohem Kundenaufkommen zu glänzen – und Kund:innen die Möglichkeit, entspannt durch die Stadt zu schlendern, ohne auf Öffnungszeiten achten zu müssen. Gerade für kleinere Läden kann das den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem Rekordmonat machen, wenn sie mit kreativen Aktionen oder exklusiven Angeboten punkten.

Wer die Sonntage optimal nutzen will, sollte früh planen: Ob gezielte Werbung in sozialen Medien, Kooperationen mit Nachbarläden oder ein besonderes Erlebnis im Geschäft – wer sich jetzt vorbereitet, wird am Tag selbst nicht im Stress versinken. Die Stadt lebt an diesen Tagen, und wer mitmacht, profitiert nicht nur vom Umsatz, sondern auch von der sichtbaren Belebung der Innenstadt.

2024 könnte dabei erst der Anfang sein, denn wenn die Resonanz stimmt, dürften verkaufsoffene Sonntage in München bald noch häufiger auf dem Kalender stehen.