15 Liter Regen pro Quadratmeter in weniger als einer Stunde – was meteorologisch als Starkregen gilt, verwandelte Teile von Laim am Dienstagnachmittag in eine Seenlandschaft. Straßen verwandelten sich in reißende Bäche, Keller liefen voll, und der Verkehr kam auf weiten Strecken zum Erliegen. Besonders betroffen waren die Gebiete um die Landsberger Straße und den Laimer Platz, wo die Kanalisation dem plötzlichen Wassermassen nicht gewachsen war. Die Feuerwehr rückte mit mehreren Fahrzeugen an, um vollgelaufene Keller zu pumpen und umgestürzte Bäume zu beseitigen.
Für Anwohner ist das kein Einzelfall: Das Wetter in München-Laim zeigt in den letzten Jahren eine klare Tendenz zu extremen Niederschlägen, die die Infrastruktur an ihre Grenzen bringen. Während andere Stadtteile oft verschont bleiben, wird Laim regelmäßig zum Brennpunkt – eine Folge der dichten Bebauung, des alten Kanalsystems und der topografischen Lage. Doch die Probleme beschränken sich nicht auf akute Überschwemmungen. Langfristig stellt sich die Frage, wie der Stadtteil widerstandsfähiger gegen das zunehmend unberechenbare Wetter in München-Laim werden kann, ohne dass Bürger und Unternehmen bei jedem Wolkenbruch mit hohen Schäden rechnen müssen.
Warum Laim besonders anfällig für Starkregen ist
Laim liegt wie ein flacher Teller im Münchner Westen – und genau das macht den Stadtteil zum Sorgenkind bei Starkregen. Während andere Viertel durch natürliche Gefälle oder höhere Lagen zumindest teilweise geschützt sind, sammelt sich das Wasser hier besonders schnell. Studien des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass Laim zu den Gebieten mit der höchsten Überflutungsgefahr in München gehört, sobald mehr als 15 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.
Hinzu kommt die dichte Bebauung. Enge Straßen, versiegelte Flächen und ein historisch gewachsenes Kanalsystem, das für heutige Regenmengen oft nicht ausgelegt ist, verschärfen die Situation. Wo früher Wiesen und Äcker das Wasser aufnehmen konnten, fließt es heute ungebremst über Asphalt und Beton – direkt in die Keller der Anwohner.
Besonders kritisch wird es an der Würm, die durch den Stadtteil fließt. Bei heftigen Niederschlägen schwillt der Fluss rasant an und kann das ohnehin schon überlastete Entwässerungssystem nicht mehr entlasten. Hydrologen warnen seit Jahren vor dieser Kombination aus topografischen und infrastrukturellen Risiken.
Auch die Nähe zum Nymphenburger Kanal spielt eine Rolle. Das künstliche Gewässer, eigentlich als Entwässerungsgraben angelegt, wird bei Extremwetter schnell zum Problem: Statt abzufließen, staut sich das Wasser zurück und sucht sich seinen Weg durch Straßen und Grundstücke.
15 Liter pro Quadratmeter: Wie die Flut die Straßen überrollte
Als der Himmel über Laim am späten Nachmittag aufriss, gossen innerhalb von 30 Minuten 15 Liter Regen pro Quadratmeter herab – fast ein Fünftel des durchschnittlichen Monatsniederschlags für München. Die Kanalisation, auf solche Mengen nicht ausgelegt, gab den Massen nach. Innerhalb von Minuten verwandelten sich Straßen wie die Landsberger oder die Agnes-Bernauer-Straße in reißende Flüsse, die Bordsteinkanten übersprangen und Keller fluteten.
Besonders betroffen war die Gegend um den Laimer Bahnhof. Augenzeugen berichteten von Wasserfontänen, die aus den Gullideckeln schossen, als das Abwassersystem unter dem Druck kollabierte. Laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes handelt es sich bei solchen lokal begrenzten Starkregenereignissen um eine zunehmende Herausforderung für städtische Infrastruktur – vor allem in dicht bebauten Vierteln mit hoher Versiegelung.
Die Feuerwehreinsätze häuften sich gegen 18 Uhr. Ein Einsatzteam pumpten stundenlang Wasser aus einem Seniorenheim an der Westendstraße, wo die Elektrik kurzzeitig ausfiel. Gleichzeitig blockierten umgestürzte Mülltonnen und Äste die bereits überfluteten Straßen, was die Rettungsfahrzeuge behinderte. Die Stadtwerke München bestätigten später, dass die Pumpwerke an ihre Kapazitätsgrenzen stießen.
Während die Pegel langsam sanken, blieben die Spuren der Flut sichtbar: Schlamm auf Gehwegen, zerstörte Gartenmauern und im Erdgeschoss stehende Autos, deren Innenräume bis zu den Sitzen unter Wasser standen. Meteorologen warnen, dass solche Extremwetterlagen in den kommenden Jahrzehnten häufiger auftreten könnten – eine bittere Realität für ein Viertel, das bereits jetzt mit den Folgen kämpft.
Betroffene Anwohner berichten von Keller voll Wasser und Stromausfällen
Die Bilder aus Laim sprechen eine deutliche Sprache: bis zu den Knöcheln im Wasser stehende Anwohner, die verzweifelt versuchen, ihre Keller mit Eimern leer zu schöpfen. Besonders betroffen sind die Straßen rund um die Agnes-Bernauer-Straße, wo das Wasser innerhalb weniger Minuten über die Bordsteine schwappte. Ein Mieter im Erdgeschoss berichtete, wie er gegen 18 Uhr noch versucht habe, mit Sandsäcken die Tür zu sichern – vergeblich. „Innerhalb von 20 Minuten stand das Wasser einen halben Meter hoch im Flur“, schildert er die dramatische Situation. Die Feuerwehreinsätze häufen sich hier seit Stunden.
Doch nicht nur die Überschwemmungen setzen den Bewohnern zu. In mehreren Wohnblöcken zwischen der Landsberger Straße und der Westendstraße fiel zeitweise der Strom aus, als Wasser in die Keller der Tiefgaragen eindrang und die Elektrik lahmlegte. Laut einem Sprecher der Stadtwerke München handelt es sich um „lokale Netzstörungen“, die durch die Kombination aus Starkregen und überlasteten Abwasserkanälen ausgelöst wurden. Bis Mitternacht konnten zwar die meisten Haushalte wieder versorgt werden, doch in einigen Altbauten bleibt die Lage prekär.
Besonders bitter: Viele Betroffene hatten erst 2021 nach dem letzten Hochwasser vorsorglich Rückstauklappen einbauen lassen. „Damals hieß es, das reicht für die nächsten Jahrzehnte“, sagt eine Anwohnerin, während sie nasse Kartons aus ihrem Keller zieht. Doch die 15 Liter Regen pro Quadratmeter in kürzester Zeit überforderten selbst diese Maßnahmen. Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes warnen, dass solche Extremwetterlagen in Ballungsräumen wie München künftig häufiger auftreten könnten – vor allem in dicht bebauten Stadtteilen mit hoher Versiegelung wie Laim.
Während die Aufräumarbeiten in den frühen Morgenstunden andauern, macht sich unter den Anwohnern Frust breit. „Jedes Mal das gleiche Spiel: Erst kommt das Wasser, dann die Versprechen“, meint ein älterer Herr, der seit 30 Jahren in der Gegend lebt. Die Stadt hat zwar mobile Pumpen bereitgestellt, doch viele fragen sich, warum die Kanäle trotz bekannter Risiken nicht schneller saniert werden. Die Antworten darauf werden sie wohl erst in den kommenden Tagen erhalten – wenn die Pegel gesunken sind und die Schäden beziffert werden können.
Was die Stadt jetzt gegen künftige Überschwemmungen plant
Nach den jüngsten Überschwemmungen in Laim hat die Stadt München konkrete Maßnahmen eingeleitet, um die Folgen künftiger Starkregenereignisse abzumildern. Bis 2025 sollen insgesamt 12 Millionen Euro in den Ausbau der Kanalisation und die Entsiegelung von Flächen im Stadtteil fließen. Besonders betroffen sind Gebiete entlang der Würm und der Eisenbahntrasse, wo das Wasser bei heftigen Niederschlägen kaum abfließen kann. Hydrologen des städtischen Tiefbauamts bestätigen, dass die Kapazitäten des bestehenden Systems bei Extremwetterlagen wie im Juli – mit lokal bis zu 60 Litern Regen pro Quadratmeter innerhalb weniger Stunden – schlicht überlastet sind.
Ein zentraler Baustein der Strategie ist die Schaffung von Rückhaltebecken. Drei neue Anlagen sind in Planung, darunter ein 1.500 Kubikmeter fassendes Becken nahe der Landsberger Allee. Diese sollen bei Starkregen überschüssiges Wasser auffangen und langsam an die Kanalisation abgeben. Gleichzeitig prüft die Stadt, ob bestehende Grünflächen wie der Laimer Park als natürliche Überflutungszonen ausgebaut werden können.
Parallel dazu setzt München auf präventive Maßnahmen: Hausbesitzer in Risikogebieten erhalten seit diesem Monat kostenlose Beratungen zu objektbezogenen Schutzvorkehrungen wie Rückstauklappen oder erhöhten Lichtschächten. Eine aktuelle Studie des Deutschen Wetterdienstes zeigt, dass sich die Häufigkeit solcher Extremniederschläge in Süddeutschland bis 2050 verdoppeln könnte – ein weiterer Grund für die beschleunigte Umsetzung.
Kritik kommt indes von Anwohnern, die bemängeln, dass die geplanten Lösungen zu langsam voranschreiten. Besonders die Entsiegelung von Hof- und Parkplatzflächen stockt, obwohl sie als eine der effektivsten Maßnahmen gegen Oberflächenabfluss gilt. Die Stadt verweist auf langwierige Grundstücksverhandlungen, verspricht aber, bis Ende 2024 zumindest die öffentlichen Flächen im Stadtteil vollständig zu entsiegeln.
Wie sich Laimer Haushalte besser auf Extremwetter vorbereiten können
Die letzten Überschwemmungen in Laim zeigen: Viele Haushalte sind auf Extremwetter nicht ausreichend vorbereitet. Doch mit einigen gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich verringern. Experten des Deutschen Wetterdienstes raten, besonders auf die Entwässerung rund um das Haus zu achten. Verstopfte Dachrinnen oder undichte Kellerfenster können bereits bei 15 Litern Regen pro Quadratmeter zu ernsten Problemen führen.
Ein erster Schritt ist die Überprüfung der Rückstausicherung. Laut einer Studie der Münchner Stadtentwässerung fehlt diese in fast 30 Prozent der Altbauten. Ohne diese Vorrichtung dringt bei Starkregen Abwasser durch Toiletten oder Waschbecken in die Wohnräume ein. Die Nachrüstung kostet zwar zwischen 500 und 1.500 Euro, spart aber im Schadensfall tausende Euro.
Auch kleine Veränderungen im Außenbereich helfen. Wer seinen Garten oder Balkon mit wasserdurchlässigen Materialien wie Kies statt Beton versiegelt, entlastet die Kanalisation. Selbst einfache Hochbeete oder Regenfässer können bei lokalen Überschwemmungen den Unterschied machen. In Laim haben einige Anwohner bereits solche Lösungen umgesetzt – mit Erfolg.
Für den Notfall sollten wichtige Dokumente, Elektronik und Wertgegenstände in wasserdichten Behältern oder in höheren Stockwerken gelagert werden. Ein batteriebetriebenes Radio und eine Taschenlampe gehören ebenfalls in jeden Haushalt, falls der Strom ausfällt. Wer diese Basics beachtet, ist für die nächsten Unwetter besser gewappnet.
Die jüngsten Überschwemmungen in Laim zeigen einmal mehr, wie anfällig Münchens Stadtteile für extreme Wetterereignisse sind – selbst bei scheinbar moderaten 15 Litern Regen pro Quadratmeter können die Kanäle an ihre Grenzen stoßen und Keller unter Wasser setzen. Besonders in dicht bebauten Gebieten wie Laim, wo versiegelte Flächen das Wasser nicht aufnehmen, wird deutlich, dass die Infrastruktur den Herausforderungen des Klimawandels noch nicht gewachsen ist.
Anwohner sollten prüfen, ob Rückstauklappen in Abwasserleitungen eingebaut sind und wertvolle Gegenstände in Kellern erhöht lagern, um Schäden bei künftigen Starkregen zu minimieren. Gleichzeitig muss die Stadt langfristig in Entwässerungskonzepte investieren – etwa durch mehr Grünflächen oder unterirdische Rückhaltebecken.
Denn eines steht fest: Solche Wetterextreme werden häufiger, und wer jetzt handelt, spart sich später teure Reparaturen und Chaos.

