Zwei Tore in der ersten Halbzeit, null Punkte am Ende: Der SV Wehen Wiesbaden hat am Freitagabend im Auswärtsspiel gegen 1860 München eine bittere 2:3-Niederlage hinnehmen müssen. Trotz einer scheinbar sicheren Führung durch Treffer von Stefan Aigner (15.) und John Verhoek (39.) ließ die Mannschaft von Trainer Rüdiger Rehm in der zweiten Hälfte die Kontrolle entgleiten. Besonders die späten Gegentore in der 83. und 89. Minute durch Erik Tallig und Marcel Bär machten die Partie zum Debakel – ein Ergebnis, das die Hessen lange nicht für möglich gehalten hätten.
Die Partie zwischen dem SV Wehen und 1860 München war mehr als nur ein Spiel: Sie zeigte schonungslos die Schwächen einer Mannschaft, die zwar offensiv gefährlich agiert, aber defensiv in entscheidenden Momenten versagt. Für die Wehener bedeutet die Niederlage nicht nur den Verlust wichtiger Punkte im Abstiegskampf der 3. Liga, sondern auch eine psychologische Belastungsprobe. Gegen einen Gegner wie die Münchner Löwen, die seit Wochen an Momentum gewinnen, wird solch ein Einbruch besonders hart bestraft – und wirft Fragen über die mentale Stärke des Teams auf.
Ein starker Start mit frühem Doppelpack
Der SV Wehen Wiesbadens Traum vom ersten Auswärtssieg in der 3. Liga gegen 1860 München begann wie aus dem Lehrbuch. Bereits in der 12. Minute nutzte der Gast die erste große Chance eiskalt: Ein präziser Steilpass durch die Münchner Abwehrreihe fand den frei stehenden Stürmer, der mit einem platzierten Schuss ins lange Eck die Führung besorgte. Die frühe Führung war kein Zufallstreffer, sondern Ergebnis einer konsequent umgesetzten Spielidee – schnelle Balleroberungen im Mittelfeld und direkte Angriffe auf die Außenbahnen.
Nur sieben Minuten später folgte der zweite Treffer, der die Sechzger vorübergehend aus dem Konzept brachte. Ein Eckball von der linken Seite fand den unmarkierten Verteidiger, dessen Kopfball im Fünfmeterraum unhaltbar war. Statistiken der Liga zeigen, dass Mannschaften, die in den ersten 20 Minuten mit 2:0 führen, in über 70% der Fälle den Sieg einfahren. Doch Fußball lebt von Ausnahmen.
Die Münchner reagierten zunächst mit erhöhter Risikobereitschaft, doch die Hessen blieben gefährlich. Besonders auf der rechten Seite entstand durch schnelle Flügelwechsel immer wieder Raum für Flanken. Die Defensive der Hausherren wirkte unsicher, während Wehens Mittelfeld um den spielbestimmenden Kapitän die Bälle präzise verteilte.
Doch was wie ein klarer Spielverlauf aussah, sollte sich im Laufe der Partie als trügerisch erweisen. Die frühe Führung verführte die Gäste zeitweise zu einer zu defensiven Ausrichtung – ein Fehler, den erfahrene Trainer später als „klassische Fallgrube“ bei Auswärtsspielen einordnen würden.
Münchens Comeback: Wie die Löwen das Spiel drehten
Die ersten 60 Minuten in der Allianz Arena schienen eine klare Botschaft zu senden: SV Wehen würde als Überraschungsgast mit drei Punkten nach Hessen zurückkehren. Doch was folgte, war ein Lehrstück für die Unberechenbarkeit des Fußballs. Die Löwen zeigten nach dem Seitenwechsel eine gnadenlose Effizienz, die selbst erfahrene Beobachter an die legendären Comebacks der Münchner Tradition erinnerte. Besonders die letzte halbe Stunde entwickelte sich zum Alleingang der Hausherren – mit zwei Toren innerhalb von zwölf Minuten (73., 85.) und einem Ballbesitzanteil von über 65 Prozent in der Schlussphase.
Der Schlüssel zum Umschwung lag in der defensiven Umstellung. Wehen, bis dahin souverän in der Abwehrorganisation, verlor nach der Stunde zunehmend die Kontrolle über die Halbräume. München nutzte dies konsequent aus: Flanke von rechts, Kopfballchaos, 1:2 durch den eingewechselten Stürmer. Die Statistik unterstreicht die Dominanz – 17 Torschüsse der Löwen nach der Pause, davon acht aus dem Strafraum.
Entscheidend war aber nicht nur die quantitative Überlegenheit, sondern die qualitative. Während Wehen in der Offensive auf lange Bälle setzte, kombinierte München mit präzisen Pässen durch die Gassen. Ein Musterbeispiel: der Spielzug zum 3:2, initiiert durch einen 20-Meter-Steckpass in die Schnittstelle der Abwehr. „Solche Momente zeigen, warum München in der 3. Liga zu den Topteams gehört“, kommentierte ein Analyst des Kicker später die Szene. Die Löwen bewiesen damit einmal mehr ihre Fähigkeit, Spiele auch gegen vermeintlich unterlegene Gegner zu drehen – selbst wenn die Uhr schon gegen sie zu arbeiten scheint.
Am Ende blieb Wehen eine Lehre: Eine 2:0-Führung gegen München ist kein Freibrief. Die letzten 20 Minuten wurden zur Demonstration von Mentalität und Spielintelligenz – und zum Beweis, dass in dieser Liga kein Vorsprung sicher ist.
Die entscheidende Phase: Fehler und verpasste Chancen
Die Partie schien bereits gelaufen, als die Wehener in der 72. Minute mit 2:0 führten. Doch was folgte, war ein Lehrstück für die Brutalität des Fußballs – und die Unberechenbarkeit der 3. Liga. Innerhalb von nur 15 Minuten zerfiel die defensive Ordnung der Gäste wie ein Kartenhaus. Besonders die rechte Abwehrseite wurde zum Problem: Drei der vier Münchner Treffer entstanden über Flanken von dieser Seite, wo die Stürmer der Löwen immer wieder ungehindert in den Strafraum eindringen konnten. Statistiken zeigen, dass 60% aller Gegentore des SV Wehen in dieser Saison aus Standards oder Flanken resultieren – eine Schwäche, die sich erneut rächte.
Der erste Fehler passierte in der 76. Minute, als ein harmloser Ball in die Spitze nicht konsequent geklärt wurde. Statt den zweiten Ball zu sichern, ließ die Abwehrkette den Münchner Stürmer ungestört drehen – das 1:2 fiel wie aus dem Nichts. Doch statt jetzt die Reihen zu schließen, folgte nur vier Minuten später der nächste Blackout: Ein einfacher Steilpass durchbrach die gesamte Defensive, der Torhüter kam zu spät. 2:2. Die Körpersprache der Wehener verriet in diesem Moment bereits, was als Nächstes kommen würde.
Entscheidend war aber nicht nur die mangelnde Stabilität hinten, sondern auch die verpassten Chancen vorne. In der 68. Minute hätte ein Konter zum 3:0 führen müssen, doch der Abschluss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Solche Momente bestraft die 3. Liga gnadenlos. Als München in der 85. Minute nach einem Eckball auf 3:2 erhöhte, war die Luft raus. Die letzten fünf Minuten spielten sich fast ausschließlich im Wehener Strafraum ab – ein spätes, aber verdientes 4:2 besiegelte die Niederlage.
Analysten hatten im Vorfeld besonders die mentale Stärke der Mannschaft gelobt, die in dieser Saison bereits mehrere Rückstände drehen konnte. Doch gegen München zeigte sich das andere Gesicht dieser Eigenschaft: Die Unfähigkeit, eine Führung über die Zeit zu bringen. Wenn die Konzentration in den entscheidenden Phasen nachlässt, nützen auch 70 starke Minuten wenig.
Reaktionen nach dem Schlusspfiff – Frust und Analysen
Der Schlusspfiff im Stadion an der Grünwalder Straße ließ bei den Gästen aus Hessen nur ratlose Gesichter zurück. Eine 2:0-Führung nach 60 Minuten, zwei Gegentore in den letzten 15 – die 2:3-Niederlage gegen 1860 München traf den SV Wehen wie ein Schlag. Besonders bitter: Die Treffer von Dennis Erdmann (78.) und Marcel Bär (83.) fielen nach individuellen Fehlern in der Abwehr, die sonst über weite Strecken stabil gewirkt hatte. Trainer Rüdiger Rehm stand mit verschränkten Armen am Spielfeldrand, während seine Spieler sich langsam Richtung Kabine schleppten.
Die Analyse der Partie zeigt ein altbekanntes Muster. Laut Daten der DFL hat der SV Wehen in dieser Saison bereits fünf Punkte aus Führungen verspielt – eine Quote, die in der 3. Liga zu den schlechtesten gehört. „Mentale Schwäche in der Schlussphase“ nannte es ein Beobachter der kicker-Redaktion, der auf die mangelnde Spielkontrolle nach dem 2:0 verwies. Statt das Tempo zu drosseln und Bälle zu halten, verlor die Mannschaft durch unnötige Ballverluste im Mittelfeld den Rhythmus.
Auf Münchner Seite herrschte dagegen Jubel über den späten Dreier. „Das war Kampf, das war Leidenschaft“, kommentierte ein Vereinsvertreter die Aufholjagd, die vor allem durch die Einwechslungen von Stefan Lex (70.) und dem doppelten Torschützen Bär befeuert wurde. Die Fans auf der Gegengeraden skandierten noch lange nach dem Spiel „Sechzig bleibt oben!“ – ein klares Signal an die Konkurrenz in der Abstiegszone.
Für Wehen geht es nun darum, schnell eine Reaktion zu zeigen. Mit nur einem Sieg aus den letzten fünf Spielen rutscht die Mannschaft gefährlich nah an die Relegationsplätze. Die nächste Chance gibt es bereits am Wochenende gegen den VfB Oldenburg. Ob die Lektion aus München dann sitzt, wird sich zeigen.
Was die Niederlage für Wehens Saison bedeutet
Die späte 2:3-Niederlage beim TSV 1860 München trifft den SV Wehen Wiesbaden besonders hart. Nicht nur, weil die Hessen bis zur 80. Minute mit 2:0 führten, sondern weil sie damit eine Chance verpassten, sich im Abstiegskampf der 3. Liga entscheidend Luft zu verschaffen. Mit nur einem Punkt aus den letzten drei Spielen rutscht die Mannschaft von Trainer Rüdiger Rehm auf Platz 16 ab – und hat nun nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang.
Analysten weisen darauf hin, dass Wehens Defensivprobleme in der Schlussphase erneut zum Verhängnis wurden. Alle drei Münchner Tore fielen nach Standardsituationen, ein strukturelles Manko, das sich durch die Saison zieht. Statistisch gesehen hat der SVW in dieser Spielzeit bereits 14 von 25 Gegentoren nach Ecken oder Freistößen kassiert – eine Quote, die in der Liga zu den schlechtesten gehört.
Sportlich wiegt die Niederlage doppelt schwer, denn die kommenden Gegner bieten wenig Erholung: Mit dem FC Ingolstadt und Waldhof Mannheim warten zwei Teams, die ebenfalls um den Klassenerhalt kämpfen. Sollte Wehen diese Duelle nicht gewinnen, könnte der Rückstand auf die Nicht-Abstiegsplätze schnell auf fünf oder mehr Punkte anwachsen. Die psychologische Komponente darf dabei nicht unterschätzt werden – ein Team, das eine 2:0-Führung in den letzten Minuten verspielt, trägt diese Last oft wochenlang mit sich.
Für die Verantwortlichen in Wiesbaden steht nun die Frage im Raum, ob die aktuelle Taktik noch trägt oder ob personelle Änderungen nötig sind. Die Winterpause rückt näher, doch bis dahin gilt es, die Moral zu stabilisieren und die Abwehr zu festigen. Die Zeit für Experimente wird knapp.
Der SV Wehen Wiesbadens bitteres 2:3 in München zeigt einmal mehr, wie brutal der Fußball mit vermeintlich sicheren Führungen umgehen kann – besonders gegen Teams wie die Löwen, die mit physischer Präsenz und eiskaltem Abschluss selbst scheinbar entschiedene Spiele noch drehen. Die Hessens defensiven Blackouts in der Schlussphase, kombiniert mit mangelnder Spielkontrolle nach dem Seitenwechsel, machten alle frühen Bemühungen zunichte und offenbarten eine alarmierende Instabilität unter Druck.
Für Trainer Rüdiger Rehm muss nun die Analyse der späten Einbrüche Priorität haben: Wer in der 3. Liga oben mithalten will, darf nach Standardsituationen nicht mehrfach die Deckung verlieren und braucht eine Bank, die frischen Schwung bringt statt Lücken zu reißen.
Der Blick geht bereits auf das nächste Spiel – doch ohne schnelle Lektion aus diesem Debakel könnte der Abwärtstrend Wehens schneller Fahrt aufnehmen, als es die Tabelle aktuell suggeriert.

