Mit einem Schlag erweitert Bayern sein Radwegenetz um über 200 Kilometer: Die RAD-Net GmbH hat die Vergabe von Bauaufträgen für zwölf neue Regionalstrecken im Freistaat bekanntgegeben. Die Projekte, die bis 2026 realisiert werden sollen, umfassen Strecken von der fränkischen Weinregion bis in die Alpenvorlandschaft – darunter hochfrequentierte Verbindungen wie die Ausbaustrecke zwischen Regensburg und Straubing oder die neue Route entlang der Iller. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 120 Millionen Euro, finanziert aus Landesmitteln und EU-Fördergeldern.
Für Kommunen, Pendler und Tourismusbetriebe sind die RAD-Net Ausschreibungen ein entscheidender Impuls. Die neuen Strecken schließen Lücken im bestehenden Netz und verbinden bisher schlecht angebundene Regionen mit Ballungszentren wie München oder Nürnberg. Besonders im Fokus stehen dabei sicherheitsrelevante Aufwertungen wie breitere Fahrbahnen, beleuchtete Tunnelabschnitte und barrierefreie Rastplätze. Die aktuelle Runde der RAD-Net Ausschreibungen setzt zudem auf innovative Bauverfahren, die die Eingriffe in Natur und Landschaft minimieren – ein Kriterium, das in den Vergaberichtlinien erstmals priorisiert wurde.
Millardeninvestitionen in Bayerns Schienennetz
Bayerns Schienennetz erhält einen massiven Modernisierungsschub: Bis 2030 fließen rund 12,5 Milliarden Euro in den Ausbau und die Sanierung der Strecken. Allein für die 12 neuen Regionalstrecken, deren Aufträge das RAD-Net 2024 vergibt, sind Investitionen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro vorgesehen. Das entspricht fast 15 Prozent des gesamten bayerischen Verkehrsbudgets für die kommenden sechs Jahre – ein klares Signal für die Priorisierung des Schienenverkehrs.
Die Mittel verteilen sich auf zentrale Projekte wie die Reaktivierung stillgelegter Trassen, den zweigleisigen Ausbau stark frequentierter Strecken und die Elektrifizierung bisher dieselbetriebener Abschnitte. Besonders im Fokus steht die Verbindung zwischen Augsburg und Landsberg am Lech, wo die Kapazitäten seit Jahren an ihre Grenzen stoßen. Hier sollen bis 2027 zusätzliche Gleise und moderne Stellwerkstechnik den Taktverkehr auf 30 Minuten verdichten.
Laut einer aktuellen Studie des Bundesverkehrsministeriums könnte Bayern durch diese Maßnahmen bis 2035 rund 20 Prozent mehr Fahrgäste auf der Schiene gewinnen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Bauprojekte termingerecht umgesetzt werden – eine Herausforderung angesichts des Fachkräftemangels in der Bauindustrie. Um Verzögerungen zu vermeiden, setzt das RAD-Net auf standardisierte Ausschreibungsverfahren und digitale Planungsmethoden.
Nicht nur Großstädte profitieren: Auch ländliche Regionen wie die Oberpfalz oder Unterfranken erhalten verbesserte Anbindungen. So wird die Strecke zwischen Hof und Bad Steben reaktiviert, die seit den 1990er-Jahren ruht. Solche Projekte stärken nicht nur den ÖPNV, sondern entlasten auch die überlasteten Straßen.
Diese Strecken gewinnen 2024 den Zuschlag
Zwölf neue Regionalstrecken in Bayern gehen 2024 an den Start – und die Auswahl zeigt klar: Der Fokus liegt auf schnellen Verbindungen zwischen Wirtschaftszentren und strukturschwachen Regionen. Besonders im Norden des Freistaats werden Lücken im Netz geschlossen, etwa zwischen Bamberg und Kronach, wo bisher nur stündliche Umstiege die Fahrgäste bremsten. Die Ausschreibungsergebnisse bestätigen einen Trend, den Verkehrsexperten seit Jahren beobachten: Wo der Takt verdichtet wird, steigen die Fahrgastzahlen im Schnitt um bis zu 30 Prozent innerhalb von zwei Jahren.
Den größten Zuschlag erhielt die Strecke München–Rosenheim–Salzburg mit einer geplanten Verdopplung der Kapazitäten bis 2026. Hier setzen die Planer auf moderne Doppelstockzüge, die nicht nur mehr Sitzplätze bieten, sondern auch die Fahrzeit um 12 Minuten verkürzen sollen. Entscheidend war die enge Abstimmung mit Österreich, um grenzüberschreitende Pendlerströme effizienter zu bewältigen.
Im Allgäu profitiert die Verbindung Kempten–Immenstadt–Oberstdorf von der Aufwertung. Bisher als Nebenstrecke geführt, erhält sie nun Priorität – inklusive neuer Haltepunkte in Gewerbegebieten und direkter Anbindung an den Bodensee-Radweg. Ein Novum: Die Züge verkehren künftig im 30-Minuten-Takt, selbst an Wochenenden.
Überraschend kam der Zuschlag für die bisher kaum beachtete Strecke zwischen Regensburg und Schwandorf. Hier überzeugte das Konzept einer „Express-Regionalbahn“, die nur an ausgewählten Stationen hält und so die Reisezeit auf 22 Minuten drückt. Kritiker hatten diese Lösung lange als unrealistisch abgetan – doch die Machbarkeitsstudie der TU München gab den Ausschlag.
Wie die Ausschreibung die Regionalverkehrsplanung verändert
Die aktuelle Ausschreibungsrunde des RAD-Net markiert einen Wendepunkt für die Regionalverkehrsplanung in Bayern. Erstmals werden nicht nur einzelne Strecken isoliert vergeben, sondern ein ganzes Netzwerk von zwölf Verbindungen als Paket ausgeschrieben. Diese strategische Neuausrichtung ermöglicht eine bessere Abstimmung zwischen den Linien, kürzere Umsteigezeiten und eine einheitliche Qualität über alle Strecken hinweg. Verkehrsexperten sehen darin einen entscheidenden Schritt, um den ÖPNV im ländlichen Raum attraktiver zu gestalten – besonders vor dem Hintergrund, dass aktuell nur 37 Prozent der Pendler in bayerischen Landkreisen regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Bisher dominierten bei Regionalstrecken oft kurzfristige Verträge mit Laufzeiten von fünf bis acht Jahren. Das RAD-Net bricht mit diesem Muster: Die neuen Verträge laufen über mindestens zwölf Jahre, in einigen Fällen sogar bis zu fünfzehn. Diese längere Perspektive gibt Betreibern Planungssicherheit, um in moderne Fahrzeuge, digitale Buchungssysteme oder barrierefreie Haltestellen zu investieren. Gleichzeitig können Kommunen und Landkreise ihre Siedlungs- und Gewerbeentwicklung besser an die Verkehrsplanung anpassen, ohne ständig mit wechselnden Betreibern verhandeln zu müssen.
Ein weiterer entscheidender Unterschied liegt in der Leistungsdefinition. Während früher oft nur Mindeststandards vorgegeben wurden, schreibt das RAD-Net jetzt konkrete Qualitätsziele vor – von der Pünktlichkeitsquote über die Taktfrequenz bis hin zur Kundenkommunikation. Werden diese Ziele nicht erreicht, drohen vertragliche Konsequenzen. Diese klare Ergebnisorientierung soll die Servicequalität nachhaltig verbessern und das Vertrauen der Fahrgäste in den Regionalverkehr stärken.
Die Ausschreibung selbst folgt einem zweistufigen Verfahren: Zuerst werden technische und betriebliche Konzepte bewertet, bevor in einer zweiten Phase die finanziellen Angebote geprüft werden. Diese Reihenfolge stellt sicher, dass nicht der günstigste, sondern das beste Gesamtpaket den Zuschlag erhält. Kritiker monieren zwar den höheren Verwaltungsaufwand, doch die meisten Fachleute betonen, dass sich der Mehraufwand langfristig auszahlt – durch effizientere Netze und höhere Fahrgastzahlen.
Bauzeiten und mögliche Einschränkungen für Pendler
Die Bauarbeiten für die zwölf neuen Regionalstrecken des RAD-Netzes in Bayern werden voraussichtlich zwischen 2025 und 2028 schrittweise umgesetzt. Pro Strecke sind je nach Komplexität Bauzeiten von 18 bis 36 Monaten eingeplant. Besonders betroffen sind Streckenabschnitte, die durch dicht besiedelte Gebiete führen oder bestehende Infrastruktur anbinden müssen – hier können sich die Arbeiten aufgrund von Genehmigungsverfahren und Koordinationsbedarf mit anderen Verkehrsträgern verzögern.
Pendler müssen sich auf temporäre Einschränkungen einstellen. Laut einer Studie des Bayerischen Verkehrsministeriums zu vergleichbaren Projekten sind während der Hauptbauphase bis zu 20 % längere Fahrzeiten durch Umleitungen oder Ersatzverkehr möglich. Betroffen sind vor allem die Strecken München–Augsburg (Ausbau Abschnitt Olching–Mering) und Nürnberg–Regensburg (Neubau der Verbindung bei Parsberg), wo bereits 2025 mit ersten Sperrpausen zu rechnen ist.
Um die Belastungen zu minimieren, setzt das RAD-Netz auf gestaffelte Bauabschnitte und Nachtarbeiten an kritischen Knotenpunkten. Dennoch werden an Wochenenden vermehrt Vollsperrungen nötig sein, insbesondere für Gleisumbauten oder die Installation von Leit- und Sicherungstechnik. Kommunen entlang der Strecken bereiten sich mit angepassten Bus-Shuttle-Diensten vor, die jedoch nicht immer den gewohnten Takt ersetzen können.
Langfristig überwiegen die Vorteile: Nach Abschluss der Bauarbeiten verkürzen sich die Fahrzeiten auf den neuen Strecken um bis zu 30 %, und der Takt wird auf vielen Relationen von 60 auf 30 Minuten verdichtet. Doch bis dahin heißt es für Vielfahrer: Flexibilität einplanen – und gegebenenfalls auf digitale Fahrplan-Apps zurückgreifen, die Echtzeit-Updates zu Baustellen liefern.
Langfristige Ziele: Schnellere Züge, mehr Kapazitäten
Während die ersten zwölf Regionalstrecken im Rahmen des RAD-Net-Projekts 2024 an den Start gehen, blicken die Verantwortlichen bereits weiter. Bis 2030 soll das bayerische Schienennetz nicht nur dichter, sondern auch leistungsfähiger werden. Im Fokus stehen dabei zwei zentrale Ziele: die Reisezeiten zwischen Ballungsräumen zu verkürzen und die Kapazitäten auf stark frequentierten Achsen um bis zu 40 Prozent zu steigern. Eine Studie des Verkehrsministeriums aus dem Vorjahr zeigt, dass bereits jetzt 15 der 20 meistgenutzten Regionalverbindungen in Bayern an ihre Belastungsgrenzen stoßen – Tendenz steigend.
Für die Beschleunigung setzt man auf moderne Zugtechnik und optimierte Trassenführung. Geplant ist unter anderem der Einsatz von Batterie- und Wasserstoffzügen auf Nebenstrecken, die bisher nicht elektrifiziert sind. Diese sollen nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch schneller beschleunigen als dieselbetriebene Modelle. Parallel dazu werden Engpässe wie eingleisige Abschnitte oder veraltete Weichenanlagen systematisch abgebaut. Besonders im Blick: die Achse München–Augsburg–Ulm, wo durch gezielte Ausbaumaßnahmen die Fahrzeit um bis zu 20 Minuten sinken soll.
Die Kapazitätserweiterung wiederum erfordert einen Mix aus Infrastrukturprojekten und digitaler Steuerung. Neue Überholgleise und erweiterte Bahnhöfe ermöglichen kürzere Taktungen, während ein zentrales Leitstellensystem in Nürnberg ab 2026 die Zugfolgen enger koordinieren wird. Kritisch bleibt die Finanzierung: Pro Kilometer Streckenausbau veranschlagt der Freistaat durchschnittlich 12 Millionen Euro – ein Betrag, der ohne Bundeszuschüsse kaum zu stemmen wäre.
Langfristig könnte das RAD-Net damit nicht nur Pendler entlasten, sondern auch den Güterverkehr auf die Schiene verlagern. Aktuell rollt nur jeder fünfte Container in Bayern per Bahn; die Planer peilen eine Quote von 30 Prozent an.
Mit der Vergabe von zwölf neuen Regionalstrecken zeigt die RAD-Net-Ausschreibung 2024, wie Bayern seine Bahninfrastruktur gezielt modernisiert und den Nahverkehr nachhaltig stärkt. Die Aufteilung auf verschiedene Betreiber unterstreicht dabei nicht nur den Wettbewerb, sondern auch die Vielfalt an Lösungsansätzen – von elektrifizierten Strecken bis zu innovativen Taktungen, die Pendler und Kommunen gleichermaßen entlasten.
Für Fahrgäste und lokale Unternehmen lohnt sich ein genauer Blick auf die geplanten Strecken, denn mit den neuen Angeboten könnten sich Fahrzeiten verkürzen und Anbindungen an Wirtschaftszentren wie München oder Nürnberg verbessern. Wer langfristig von den Änderungen profitieren will, sollte sich früh über die Umstellungsphasen informieren und gegebenenfalls Abos oder Gewerbeanschlüsse anpassen.
Die nächsten Monate werden zeigen, wie schnell die theoretischen Pläne in die Praxis umgesetzt werden – und ob Bayern damit tatsächlich zum Vorreiter für einen effizienten, klimafreundlichen Regionalverkehr wird.

